Digitale Patientenversorgung

Zukunftsprogramm für Kliniken

Von Jens Bartels · 2021

Im Jahr 2020 ist ein Gesetz in Kraft getreten, mit dem Bund und Länder die Digitalisierung von Krankenhäusern vorantreiben. Mit der damit verbundenen finanziellen Unterstützung werden Vorhaben gefördert, welche die Notfallversorgung, Infrastrukturen und die Sicherheit der IT modernisieren und nachhaltig verbessern sollen. Noch bis zum 31. Dezember 2021 können Förderanträge gestellt werden.

Person guckt sich Gesundheitsdaten auf Tablet an
Tablets machen die Arbeit für Ärzte in Kliniken einfacher. Foto: iStock / metamorworks

Die Sprechstunde per Videochat, allerorts Zugriff auf die digitale Krankenakte und das E-Rezept direkt auf das Handy: Digitale Technologien verbessern die Patientenversorgung und entlasten das medizinische Personal. Allerdings ist das Potenzial dieser Technologien im Gesundheitswesen noch lange nicht ausgeschöpft. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von den Unternehmensberatern von Deloitte, für die medizinisches Personal in sieben europäischen Ländern befragt wurde. Demnach haben laut der Studie 86 Prozent der deutschen Befragten großes Vertrauen in digitale Technologien: Sie sind überzeugt, dass diese die Patientenversorgung besser machen. Trotzdem kommt der Einsatz digitaler Technologien nur langsam voran. Die Gründe dafür sind vielschichtig. So sind im deutschen Gesundheitssystem vor allem organisatorische Hürden zu überwinden, bevor neue Technologien eingeführt werden können. Das medizinische Personal sieht sich konfrontiert mit Bürokratie (61 Prozent), hohen Kosten (57 Prozent) und Schwierigkeiten, die passende Technologie zu finden (42 Prozent). Um das Potenzial der digitalen Technologien besser auszuschöpfen, ist es außerdem wichtig, das gesamte medizinische Personal mit auf dem Weg in die Digitalisierung zu nehmen. Für immerhin gut die Hälfte der Befragten besteht in diesem Zusammenhang noch Unterstützungs- (46 Prozent) und Informationsbedarf (41 Prozent). Entsprechend viel Zeit könnte noch bis zu einer vollkommen digitalisierten medizinischen Organisation vergehen. Maximal fünf Jahre dauert es nach Einschätzung von mehr als der Hälfte der Befragten (54 Prozent). Viele geben an, dass der Zeithorizont eher bei acht bis zehn Jahren liegen wird (38 Prozent).

Gesetz treibt Wandel voran bei der digitalen Patientenversorgung

Als Digitalisierungsbeschleuniger in deutschen Krankenhäusern könnte das mehr als vier Milliarden Euro schwere Investitionsprogramm von Bund und Ländern im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes wirken. „Mit diesem Investitionsschub werden erste Weichen gestellt, um die Effekte der unzureichenden Finanzierung abzumildern“, sagt Ibo Teuber. „Das ist eine echte Chance für ein digitales Update in Krankenhäusern“, so der Fachmann bei Deloitte. Mit dem Krankenhauszukunftsgesetz möchte der Gesetzgeber unter anderem die Modernisierung der Krankenhäuser mit Blick auf die stationäre Notfallversorgung vorantreiben. Darüber hinaus liegt ein besonderer Fokus auf der Digitalisierung der Krankenhäuser und einer Ausgestaltung dessen in Form von bundesweiten Standards. Damit wird ein höherer Grad der Vernetzung innerhalb des Gesundheitswesens angestrebt und die Patientenversorgung verbessert.

Finanzielle Förderung erhalten

Gefördert wird zum Beispiel ein digitales Aufnahme- und Entlassungsmanagement oder die elektronische Dokumentation von Pflege- und Behandlungsleistungen, unter anderem mittels der elektronischen Patientenakte. Aber auch die Einrichtung oder Erweiterung von technischen Systemen zur Vermeidung von Störungen der Infrastruktur und Vorhaben zur Anpassung von Patientenzimmern an die besonderen Behandlungserfordernisse im Fall einer Epidemie stehen für eine Förderung bereit. Zudem sollen die Notaufnahmen der Krankenhäuser modernisiert werden, indem die technische Ausstattung verbessert und somit auf den aktuellen Stand der Technik gebracht wird. Insgesamt können Krankenhäuser aus elf unterschiedlichen förderwürdigen Maßnahmen in Abhängigkeit von den bereits bei ihnen vorhandenen Strukturen wählen. Dabei ist in sechs der Förderbereichen eine Interoperabilität unbedingt erforderlich, damit die Systeme mit anderen Systemen kooperieren können.

IT-Sicherheit verbessern

Quelle: Deloitte, 2020

Grundsätzlich verpflichtet das Krankenhauszukunftsgesetz Krankenhäuser, einen Teil ihrer IT-Investitionen für IT-Sicherheit auszugeben. Die Gründe für die finanzielle Förderung eines stärkeren Schutzes dieser kritischen Infrastruktur liegen auf der Hand. Aufgrund der Bedeutung und des Wertes der dort gespeicherten Daten steht das Gesundheitswesen besonders im Visier von Angreifern. Gleichzeitig ist es ein relativ einfach anzugreifendes Ziel. Der Standardschutz wie herkömmliche IT-Sicherheitslösungen oder regelmäßige Updates und Patches reicht im datensensiblen Gesundheitsbereich gegen Cyberangriffe oft genug einfach nicht aus. Zudem kommen IT-Experten unter Beteiligung der Universität der Bundeswehr in München zu dem Schluss, dass der Schutz vor Hackerangriffen in deutschen Krankenhäusern insgesamt lückenhaft ist. So sind in vielen Kliniken Server und Software veraltet, Datenbanken werden nur mit einem Passwort gesichert. Analysiert wurden Ende 2020 öffentlich erreichbare Zugänge in Netze von 1.555 deutschen Krankenhäusern. Bei 36 Prozent waren Defizite zu erkennen. Es gibt sogar Krankenhäuser, in denen alte Windows-2003-Server im Einsatz sind, die schon seit 2015 von Microsoft kein Sicherheitsupdate mehr erhalten. In vielen Krankenhäusern wird es also höchste Zeit, in eine verbesserte IT-Sicherheit zu investieren. Beim Bundesamt für Soziale Sicherung können die Kliniken im Rahmen des neuen Krankenhauszukunftsgesetzes noch bis zum 31. Dezember 2021 einen Förderantrag stellen.

Quellen:
Bundesministerium für Gesundheit: Fragen und Antworten zum Krankenhauszukunftsgesetz
Deloitte: Wie digital ist das deutsche Gesundheitswesen?

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