Digitalisierung im Krankenhaus

Die gemächliche Revolution in Kliniken

Von Hartmut Schumacher · 2020

Die deutschen Krankenhäuser befinden sich mitten im digitalen Umbruch. Der läuft allerdings langsamer ab als in den meisten vergleichbaren Ländern. Schub soll das Krankenhauszukunftsgesetz bringen.

Eine Person aus dem medizinischen Bereich hält ein Tablet in den Händen.
Tablets sind eine große Hilfe für Ärzte in Kliniken. Foto: iStock / ipopba

Der digitale Wandel macht auch vor dem Gesundheitssystem nicht halt. Die Verwendung von IT-Technologien in Krankenhäusern bringt sowohl dem medizinischen Personal als auch den Patienten große Vorteile, die letzten Endes eine bessere medizinische Versorgung zu niedrigeren Kosten ermöglichen. Ein Beispiel für die Digitalisierung ist die elektronische Patientenakte, die es erlauben soll, auf alle medizinischen Daten eines Patienten jederzeit unkompliziert zuzugreifen. Auch aus der Personal- und Materialverwaltung von Krankenhäusern sind Computersysteme kaum noch wegzudenken. Videosprechstunden erweisen sich als Erleichterung für Patienten mit eingeschränkter Mobilität oder langen Anfahrtswegen. Noch spektakulärer sind Roboter, die Chirurgen bei Operationen unterstützen oder Systeme, die mit künstlicher Intelligenz Bildmaterial von Gewebeproben untersuchen können, um Krebszellen aufzuspüren.

Digitalisierung im Krankenhaus birgt neue Gefahren

Allerdings erzeugt die Digitalisierung auch neue Risiken, die es beim Betreiben von IT-Systemen im Krankenhaus zu berücksichtigen gilt: Zum einen müssen der Datenschutz und die Datensicherheit gewährleistet sein. Das gilt in noch stärkerem Maße als in anderen Branchen, da es sich bei den gespeicherten medizinischen Daten um höchst private Informationen handelt. Zum anderen stellen IT-Systeme verwundbare Punkte dar, die Cyber-Kriminelle nutzen können, um Krankenhäuser anzugreifen, beispielsweise zum Zwecke der Erpressung.

Deutschland hinkt hinterher

Aber wie weit ist die Digitalisierung in deutschen Krankenhäusern bereits fortgeschritten? Der „Krankenhaus-Report 2019“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK kommt zu einem ähnlichen Schluss wie diverse andere Studien: „Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen inzwischen deutlich hinterher.“ Der Anteil der Krankenhäuser, die noch „gar nicht oder kaum digital arbeiten“ liegt bei 38 Prozent. Europaweit beträgt dieser Anteil lediglich 11 Prozent, in den USA gar beneidenswerte 1,4 Prozent. Als Gründe für dieses schlechte Ergebnis nennt der Report mangelnde Investitionen, Datenschutzbedenken, die niedrige Benutzerfreundlichkeit der verwendeten IT-Systeme und auch den zögerlichen Breitbandausbau. Die Digitalisierung beschleunigen wird einerseits die flächendeckende Einführung der elektronischen Patientenakte ab 2021 und andererseits das im September 2020 verabschiedete Krankenhauszukunftsgesetz, laut dem der Bund und die Länder den deutschen Krankenhäusern 4,3 Milliarden Euro zur Verfügung stellen – für Investitionen unter anderem in eine bessere digitale Infrastruktur. Dennoch wird die Digitalisierung in den Krankenhäusern noch einige Zeit in Anspruch nehmen: 54 Prozent des medizinischen Personals in Deutschland, die für die Deloitte-Studie „Closing the digital gap“ befragt wurden, gehen davon aus, dass der Wandel zur „vollkommen papierlosen, digitalisierten Organisation“ innerhalb von fünf Jahren abgeschlossen sein wird.

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