Digitale Sprechstunde

Fernbetreuung liegt weiter im Trend

Von Pia Wegener · 2021

In der Corona-Hochphase erlebte die Telemedizin auch in Deutschland einen Boom. Statt auf volle Wartezimmer setzen viele Praxen auf die Möglichkeiten der Ferndiagnose und -beratung über Smartphones und Laptops. Per Videocall schildern Patienten ihre Beschwerden, erhalten Rezepte und Behandlungsoptionen. Der Trend könnte auch nach der Pandemie weiter Fahrt aufnehmen.

Eine ältere Dame hat eine digitale Sprechstunde an ihrem Laptop mit ihrer Ärztin.
Telemedizin stößt vermehrt auf Akzeptanz bei Patientinnen und Patieten. Foto: iStock / Renata Angerami

So langsam füllen sich die Wartezimmer der Arztpraxen zwar wieder, viele Menschen in Deutschland setzen aber weiterhin auf eine Beratung per Smartphone, Laptop oder Tablet. Insbesondere für ältere Menschen, Personen, die sich in Corona-Quarantäne befinden, oder Risikopatienten ist die Konsultation per Smart Device eine praktische Alternative. Und auch Pflegeeinrichtungen bedienen sich vermehrt neuester Technik, um ihren Bewohnern eine ganzheitliche medizinische Betreuung zu ermöglichen.

Positive Studienergebnisse

Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zur Entwicklung der Videosprechstunden und telefonischen Beratungen durch Vertragsärzte zeigen einen deutlichen Anstieg an telefonischen und digitalen Sprechstunden seit März 2020. Allein in den ersten sechs Monaten der Pandemie gab es rund 1,7 Millionen Videoberatungen. Das Vorurteil, eine digitale Sprechstunde könne einen Praxisbesuch nicht ersetzen, lässt sich in vielen Fällen leicht widerlegen. Dass Corona-Risikopatienten oder auch Menschen mit chronischen Krankheiten in den eigenen vier Wänden gut von ihren Ärzten betreut werden können, zeigt etwa eine aktuelle Studie von Forschenden der Technischen Universität München, bei der die Erkrankten mittels Telemedizin zu Hause überwacht wurden. Für die Kontrolle des Zustands der Patienten wurden demnach Ohrsensoren eingesetzt, die wichtige Gesundheitswerte an das Klinikum übermittelt hätten. „Mit minimalem Aufwand realisierte das Team so eine Überwachungsqualität, die der Monitorüberwachung in einer Klinik sehr nahe kommt“, berichtet die Universität weiter.

Psychotherapie aus der Ferne mit der digitalen Sprechstunde

Fest steht, dass Covid der Telemedizin einen enormen Auftrieb gegeben hat. Zu Beginn der Pandemie nutzten insbesondere Hausärzte Videosprechstunden. Später kamen vermehrt psychotherapeutische Online-Beratungen hinzu.
In fünf Jahren, so mutmaßen Experten, könnten rund 50 Prozent der Interaktionen zwischen Arzt und Patient digital stattfinden. Demnach dürfte der Trend auch nach der Pandemie anhalten – und noch ausgebaut werden. Hightech-Untersuchungen könnten dann auch von Deutschland aus im Ausland, etwa in Krisengebieten, durchgeführt und Know-how aus verschiedenen Regionen zusammengetragen werden.

Quellen:
Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst: Mit Robotik und Telemedizin gegen Corona – Universitätsklinikum rechts der Isar setzt digitale Maßstäbe

IT-Business: Tschüss Dr. Google, hallo Telemedizin!
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland: Trendreport zur Leistungsinanspruchnahme während der COVID-Krise

Schon gewusst?

Das telemedizinische Zentrum des Klinikums rechts der Isar in München hat 153 Patienten mit Risikofaktoren, die sich während der Pandemie in häuslicher Isolation befanden, telemedizinisch mit einem Ohrsensor überwacht. Alle 15 Minuten wurden über das Gerät wichtige Werte wie Temperatur, Herzschlag, Atmung und Sauerstoffsättigung gemessen und übermittelt werden. Von den Teilnehmenden mussten 20 in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Von ihnen hatten 90 Prozent die Verschlechterung ihres Zustands allein nicht bemerkt.Das telemedizinische Zentrum des Klinikums rechts der Isar in München hat 153 Patienten mit Risikofaktoren, die sich während der Pandemie in häuslicher Isolation befanden, telemedizinisch mit einem Ohrsensor überwacht. Alle 15 Minuten wurden über das Gerät wichtige Werte wie Temperatur, Herzschlag, Atmung und Sauerstoffsättigung gemessen und übermittelt werden. Von den Teilnehmenden mussten 20 in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Von ihnen hatten 90 Prozent die Verschlechterung ihres Zustands allein nicht bemerkt.

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